Seite auswählen

News

NEWS

27. BBH-Energiekonferenz: Die Zukunft der Energiewende

7.6.2018
Die Energiewende ist in vollem Gange und beschäftigt Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gleichermaßen. Vor allem die vergangenen Monate im politischen Berlin haben gezeigt, dass noch kein wirklicher Konsens bei der Umsetzung gefunden werden konnte. Über die Chancen, Risiken und vor allem die zukünftige Ausgestaltung der Energiewende wurde im Rahmen der 27. BBH-Energiekonferenz am 6. Juni in Berlin diskutiert – mit prominenten Gästen, einem abwechslungsreichen Programm und zahlreichen Gästen.

Nachdem BBH-Partnerin Dr. Ines Zenke die Teilnehmer begrüßt und ein Scheitern der Energiewende (bei aller anstehenden Arbeit) verneint hatte, stellte der Abgeordnete und Umweltminister a.D., Jürgen Trittin, in seiner keynote fest: Die Energiewende ist kein deutscher Sonderweg. Die Nutzung der Kernenergie sei EU-weit rückläufig, die Atomkraft schlicht nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Energiewende habe die Erneuerbaren Energien für die Welt preiswert gemacht. „Global boomen die Erneuerbaren Energien“, so Trittin. Deutschland stehe aber aktuell international im Abseits und müsse zusehen, den Anschluss nicht zu verlieren. Bis 2030 50 % weniger Öl, 50 % weniger Kohle und 25 % weniger Erdgas zu verbrauchen, sei nur mit einem ambitionierten Ausbau der Erneuerbaren Energien zu kompensieren. Die Kohle-Kommission müsse außerdem einen konkreten Ausstiegspfad mit konkretem End-Datum erarbeiten.

Die Energiewende sei keine Frage mehr des Ob, sondern des Wie, sagte Dr. Rolf Martin Schmitz, CEO der RWE AG, in seinem Vortrag. Und: „Das Thema Atomkraft ist durch“ – für einen ehemaligen Kernkraftwerksbetreiber ein zumindest in der Deutlichkeit unerwartetes Bekenntnis. Im Bereich Klimaschutz sei die Energiewirtschaft schon lange ein verlässlicher Partner. Im Zugzwang sieht er dagegen die Sektoren Verkehr, Bauwesen und Landwirtschaft, die ebenso einen Beitrag leisten könnten. Bei der Versorgungssicherheit könnten Speicher und die Power-to-gas-Technologie zukünftig eine tragende Rolle einnehmen und Kraftwerke zum Teil ersetzen, müssen dafür allerdings technisch weiterentwickelt werden. Bis dahin müsse grundsätzlich so viel zugebaut wie Kapazitäten abgeschaltet werden.
Wie die Industrie die Energiewende stemmen kann, beschäftigt den Hauptgeschäftsführer des BDI Dr. Joachim Lang. Dank fossiler Energieträger sei die Industrie da wo sie heute ist. Die Energiewende sei nun der Versuch, die Industrie auf eine völlig neue Basis zu stellen. Er fordert die Entwicklung des Klimaschutzes statt einer Symbolpolitik. Andere Industrieländer kämen aktuell auf weit bessere Werte als Deutschland. Allerdings solle zum einen die Technologieentwicklung vor der Technologieentscheidung kommen, zum anderen spricht er sich gegen Technologieverbote aus. Ein enger Fokus auf Elektromobilität z.B. setze unnötige Grenzen. Gleichzeitig sei eine effiziente Verteilung der Ressourcen notwendig: Einsparungen im Gebäudesektor durch energetische Gebäudesanierung sei etwa viel günstiger als Einsparungen im Automobilbereich durchzusetzen.

Nach dem angeregten Vormittag mit dann doch noch einiger Diskussion um die Strukturkommission, das nicht gehobene Potential im Gebäudesektor, einem Schwenk in die Außenwirtschaft u.v.m., gab es die traditionelle Bio-Currywurst, ein klar Berlinerisches Gericht, nebst vieler Gespräche. Den Nachmittag und eine ebenso unterhaltsame Debatte mit u.a. dem Präsidenten der Bundesnetzagentur Jochen Homann, läutete BBH-Partner Prof. Held ein und führte ihn mit Podium und Publikum zu anregender Debatte.

Ein grundsätzlich regionales Problem für die Versorgungssicherheit sieht der BNetzA-Präsident Jochen Homann: Überkapazitäten im Norden, Stromdefizite im Süden. Das Ausbauziel von 65 % Erneuerbarer Energien habe auch Auswirkung auf die Netzinfrastruktur, die ohnehin unter Stress stünde. Allein 2017 seien 1,4 Mrd. Euro für Redispatch-Maßnahmen erforderlich gewesen. Auch Thomas Weber, Geschäftsführer der EAM GmbH & Co. KG, erinnerte daran, dass die Energiewende auch eine wichtige Netz-Komponente besitzt: Ohne Netzstabilität keine zuverlässige Energieversorgung. Besonders die Verteilnetzebene, an der die Mehrzahl der EE-Anlagen angeschlossen ist, benötigt die notwendigen Kompetenzen und Daten, um Systemdienstleistungen zu erbringen.

Die Netzstabilität hat natürlich auch eine finanzielle Komponente: Investitionsanreize funktionieren über Renditen. Die Renditen, die sich hinter der von der BNetzA festgelegten EK-Verzinsung verbergen, seien allerdings zu niedrig, um die notwendigen Investitionen zu tätigen, so BBH-Partner Rudolf Böck, auch Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. „Die Netzbetreiber brauchen Investitionssicherheit statt Rechtsstreitigkeiten“, sagte Böck. Man müsse grundsätzlich überlegen, ob der aktuelle Regulierungsrahmen, der alternative Finanzierungsmöglichkeiten grundsätzlich ausschließt, nicht überholt sei. Rechtssicherheit bekäme man auch dann, wenn man die Beschlüsse der BNetzA anerkennt und nicht dagegen klage, entgegnete darauf Jochen Homann, mit einem kleinen Augenzwinkern, das mindestens die Teilnehmer in der ersten Reihe bemerkten.

Welche Rolle der Energieträger Gas zukünftig spielt, darüber war man unterschiedlicher Auffassung. Während MdB Andreas Rimkus (SPD) sagte, die Zukunft liege im Gas, setzt Johannes Lackmann, Geschäftsführer der WestfalenWIND GmbH, auf mehr Elektrifizierung. Um bei den Erneuerbaren Energien mehr Flexibilität zu bekommen, schlug er vor, die Strompreisbestandteile zu dynamisieren, um die Durchlässigkeit z.B. in den Wärmemarkt zu ermöglichen. MdB Sandra Weeser (FDP) betonte, dass der Strompreis auch sozial sein müsse.

Über den Tag verteilt und auch hier wurde noch diskutiert, welchen Einfluss der RWE/E.ON-Deal auf den Markt haben könnte. Thomas Weber sieht einerseits durch die Beteiligungen von E.ON an Netzinfrastrukturen einen größeren Co-Player an der Seite der Verteilnetzbetreiber. Andererseits sieht er eine mögliche Konzentration der „Nachfragemacht“ gegenüber Dienstleistern. Jochen Homann wies das recht nonchalant von der Hand: Die Beschaffung werde durch das BKartA geregelt, die Netze durch die Regulierung.
Ob das wirklich so einfach ist, wird sich zeigen. Spätestens bei der nächsten Energiekonferenz von BBH.

Ich bin einverstanden. Diese Webseite verwendet Cookies. Mit der Nutzung der Seite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Einzelheiten entnehmen Sie bitte den Datenschutzbestimmungen.

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen